Gemeinde im Wandel!?

„[…] aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.“ Apostelgeschichte 1,8

Was bleibt von Gemeinde, wenn gemeinsame Veranstaltungen nicht mehr möglich sind? Wie kann Gemeinde in Krisenzeiten gelebt werden? Gott baut seine Gemeinde, dies wissen wir – aber baut Gott auch digitale Gemeinde? Diesen Fragen möchte ich in diesem Denkanstoß nachgehen und euch ermutigen, dass Gott auch Zeiten von Isolation und starken gesellschaftlichen Veränderungen (Stichwort Corona) nutzen kann, um uns umso mehr zu befähigen, seinem Auftrag zu folgen.

 

1. Krisenzeiten sind Zeiten der Chancen

 

Menschen sind gerade in Zeiten der Ungewissheit, der Unsicherheit und auch der Unzufriedenheit mehr denn je empfänglich für Gottes Reden. Da wo Not ist, da suchen Menschen Gott. Erweckung geschieht in den Teilen der Welt am stärksten, wo Verfolgung und Unterdrückung am größten sind. Deshalb sollten wir Christen auch in Krisen stets die Chancen sehen, dass Menschen sich neu für Gottes Reden öffnen. Wer in deinem Freundes- oder Bekanntenkreis muss im Zuge von „Corona“ plötzlich mit neuen Herausforderungen in seinem Arbeitsleben zurechtkommen? Wer kommt vielleicht in finanzielle Schwierigkeiten, weil sein Arbeitsplatz gefährdet ist? Versteht mich nicht falsch: Es geht nicht darum, dass wir die Schwächephasen unserer Mitmenschen ausnutzen sollten, um auf Gott hinzuweisen. Vielmehr soll es darum gehen, Hoffnung zu stiften, indem wir auf den zeigen, „der da ist und der da war und der da kommt“ (Offenbarung 1,8), auch und gerade in Zeiten der Ungewissheit.

 

2. Die digitale Gemeinde und ihr Einfluss

 

Meine feste Überzeugung ist, dass Kirche im digitalen Informationszeitalter die Chance erhält, Menschen zu erreichen, die wir sonst nicht erreichen würden. Ich bin froh und auch stolz darauf, dass wir uns als Gemeinde diesem Weg nicht verschlossen haben, sondern, nachdem ein Versammlungsverbot seitens der Regierung beschlossen wurde, schnell reagiert haben und beispielweise einen Livestream für unsere Gottesdienste über YouTube eingerichtet haben. Tausende Menschen können so unsere Gottesdienste verfolgen, auch wenn sie mit unserer Ortsgemeinde bisher nichts zu tun hatten. Wir können auf diesem Wege dem Auftrag Gottes nachkommen und „Zeugen sein“.

 

„Gemeinde ist da, wo du und ich sind.“ Getreu diesem Motto ist jeder einzelne herausgefordert seinen Beitrag zu leisten: Sei kreativ in der Art und Weise, wie du dem Auftrag Gottes im Digitalen nachkommst. Vielleicht bedeutet dies, dass du in den sozialen Netzwerken auf das Online-Angebot unserer Gemeinde hinweist. Vielleicht bedeutet dies, dass du Bibelverse über deinen WhatsApp-Status oder Instagram teilst und deinen Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen somit zeigst, was dir im Leben wichtig ist.

 

Der Philosoph Paul Watzlawick sagte einmal: „Wenn du immer wieder das tust, was du immer schon getan hast, dann wirst du immer wieder das bekommen, was du immer schon bekommen hast.“ Veränderung erfordert also Aktivität. Wenn wir Menschen erreichen wollen, die wir bisher nicht erreicht haben, dann sollten wir als Gemeinde Dinge tun, die wir bisher nicht getan haben. Ich denke, dass das Online-Angebot unserer Gemeinde genau in diese Kerbe schlägt. Bist du bereit „Zeuge zu sein“, wie du noch nie Zeuge gewesen bist? Das Informationszeitalter gibt uns nicht nur als Gemeinde, sondern jedem einzelnen neue, größere Möglichkeiten, um auf Jesus Christus und seine Botschaft hinzuweisen.
Bei dem Vers aus Apostelgeschichte 1,8 dachte ich mir: „Verspürten die Jünger überhaupt Lust und Motivation, Samarien zu erreichen?“ Früher mieden die Juden dieses Gebiet nämlich eher. Jesus fordert mit diesem Vers nicht nur die Jünger, sondern auch uns heraus, an Orte zu „gehen“ und Menschen zu erreichen, die wir bisher nicht besucht bzw. erreicht haben.

 

3. Beziehungen neu denken & kreativ werden

 

Auch Digitalisierung hat ihre Grenzen. Beziehungen lassen sich nicht digitalisieren. Sei neu kreativ in der Art und Weise, wie du Gemeinschaft pflegst. Im digitalen Informationszeitalter scheint alles ultraschnell verfügbar zu sein. Versuch doch einmal dein Leben wieder ein Stück weit zu entschleunigen. Lasse einmal wieder Stille einkehren, leg das Smartphone weg und denke darüber nach, wie du Beziehungen zu anderen Menschen und auch zu Gott neu denken kannst. Geh doch einmal wieder mit deinem Freund bzw. deiner Freundin spazieren. Zieh dich zurück, lass ein ruhiges Lied abspielen, lies einen Psalm und schreibe dann eine Postkarte für einen lieben Menschen. Hast du schon einmal einen Gebetsspaziergang gemacht? Hast du schon einmal deine Stille Zeit nur mit Musik und Gebet verbracht? Schon einmal die Bibel alleine im Wald gelesen? Das Informationszeitalter bringt viele Chancen mit sich, aber auch Herausforderungen. Ich möchte dich ermutigen Zeiten und Wege zu finden, um deine Beziehungen, die dir wichtig sind, neu zu durchdenken und zu bereichern.

 

Verfasser: Tobias Würz
Bildquelle: Photo by Ross Findon on Unsplash

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